Europäisches Komitee zur Verhütung von Folter
und unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe (CPT)
[ Deutsch / German / allemand ]
Misshandlungen von Inhaftierten in
Europa verhindern
Das CPT ist ein Komitee, das
Hafteinrichtungen besucht, um zu prüfen, wie Menschen behandelt werden, denen
die Freiheit entzogen ist. Beispiele für solche Einrichtungen sind Gefängnisse,
Jugendhaftanstalten, Polizeireviere, Abschiebehafteinrichtungen und
psychiatrische Kliniken.
Delegationen des CPT haben unbeschränkten
Zugang zu diesen Hafteinrichtungen, einschließlich des Rechts, sich innerhalb
dieser Orte ungehindert zu bewegen. Sie befragen Personen, denen die Freiheit
entzogen ist, ohne Zeugen und können sich ungehindert mit jeder Person in
Verbindung setzen, die ihnen sachdienliche Auskünfte geben kann.
Nach jedem Besuch übermittelt das CPT einen
detaillierten Bericht an den betroffenen Staat. Dieser Bericht beinhaltet die
festgestellten Tatsachen, sowie Empfehlungen, Kommentare und Auskunftsersuche.
Das CPT fordert darüber hinaus die Regierung auf, eine ausführliche Antwort auf
seinen Bericht zu übermitteln. Die Berichte und Antworten sind die zentralen
Elemente für einen kontinuierlichen Dialog mit dem betroffenen Staat.
Der vollständige Name des CPT ist
„Europäisches Komitee zur Verhütung von Folter und unmenschlicher oder
erniedrigender Behandlung oder Strafe“. Dies weist auf zwei wichtige Merkmale
hin: Geografisch deckt das Komitee Europa ab, thematisch nicht nur „Folter“,
sondern eine ganze Reihe von Situationen, die zu „unmenschlicher oder
erniedrigender Behandlung oder Strafe“ führen können.
Das Besuchssystem
Die Besuche werden von Delegationen
durchgeführt, die in der Regel aus zwei oder mehr Mitgliedern des CPT bestehen,
und werden von Mitgliedern des Sekretariats und (falls notwendig) von
Sachverständigen und Dolmetschern begleitet.
Die Delegationen des CPT besuchen die
Vertragsstaaten in regelmäßigen Abständen (sogenannte „periodische Besuche“;
ungefähr alle 4 Jahre). Zusätzlich werden, falls notwendig, „Ad-hoc”-Besuche
organisiert.
Das Komitee muss dem betreffenden Staat
einen Besuch ankündigen. Nach einer solchen Ankündigung kann die Delegation des
CPT zu jeder Zeit jeden Ort aufsuchen, an dem Personen die Freiheit entzogen
ist.
Zusammenarbeit und Vertraulichkeit
Die Prinzipien der Zusammenarbeit und
Vertraulichkeit sind zentrale Aspekte der internationalen Konvention, die das
CPT ins Leben gerufen hat.
-
Die Zusammenarbeit mit den nationalen Behörden steht im
Zentrum der Arbeit des CPT, da es darauf abzielt, Personen, denen die Freiheit
entzogen ist, zu schützen - und nicht, den Staat wegen Missbrauch zu
verurteilen.
-
Die Vertraulichkeit ist ein anderer zentraler Aspekt des CPT.
Die Feststellungen des Komitees, seine Berichte sowie die Antworten der
Regierungen sind daher prinzipiell vertraulich. Dennoch sind viele
Informationen zur Arbeit des CPT veröffentlicht worden.
Veröffentlichungen
- Der Staat selbst kann die Veröffentlichung des
Berichts des Komitees sowie seiner eigenen Stellungnahme genehmigen. Bislang
haben die meisten Staaten diese Dokumente veröffentlicht.
- Falls ein Staat die Zusammenarbeit verweigert oder
es ablehnt, die Situation im Sinne der Empfehlungen des Komitees zu verbessern,
kann das CPT beschließen, dazu eine sogenannte „Öffentliche Erklärung“
abzugeben.
- Zusätzlich verfasst das CPT einen „Allgemeinen
Bericht“ über seine Aktivitäten, der einmal pro Jahr veröffentlicht wird.
Struktur des CPT
- Die Mitglieder des CPT sind unabhängige und
unparteiische Experten aus verschiedenen Fachbereichen, z.B. Rechtsanwälte,
Ärzte und Fachleute des Gefängnis- oder Polizeiwesens.
- Für jeden Vertragsstaat wählt das Ministerkomitee
des Europarats ein Mitglied. Die Mitglieder sind unabhängig, d.h. sie
repräsentieren nicht den Staat, für den sie gewählt worden sind. Darüber hinaus
nehmen Mitglieder nicht an Besuchen in dem Staat teil, für den sie gewählt
wurden.
- Das Sekretariat des CPT ist Teil der
„Generaldirektion für Menschenrechte und rechtliche Angelegenheiten“ des
Europarates.
Hintergrund
- Das CPT wurde von der „Europäischen Konvention zur
Verhütung von Folter und unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder
Strafe“ des Europarates ins Leben gerufen. Die Konvention trat 1989 in Kraft.
- Diese Konvention baut auf Artikel 3 der
Europäischen Menschenrechtskonvention auf, der besagt, dass niemand der Folter
oder unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung oder Strafe unterworfen
werden darf.
- Das CPT ist keine Ermittlungsbehörde und kein
Gericht, sondern ein Präventionsmechanismus zum Schutz von Menschen, denen die
Freiheit entzogen ist, vor Folter und anderen Formen von Misshandlungen. Das CPT
ergänzt somit die Gerichtsbarkeit des Europäischen Gerichtshofs für
Menschenrechte.
Ratifizierung
- Bislang wurde die Konvention von allen 47
Mitgliedstaaten des Europarates ratifiziert.
- Das Ministerkomitee des Europarats kann
Nichtmitgliedsstaaten einladen, der Konvention beizutreten.
Weitere Informationen
- Das CPT in Kürze [CPT/Inf/E (2010)
1]
PDF
Word
- CPT-Standards [CPT/Inf/E (2002) 1 - Rev. 2010]
PDF
Word
- Europäische Konvention zur Verhütung von Folter und unmenschlicher
oder erniedrigender Behandlung oder Strafe [CPT/Inf/C (2002) 1]
PDF
Word
- Ein Besuch des CPT - Was hat es damit auf sich? (1999),
verfasst im Auftrag der Vereinigung zur Verhinderung von Folter (Association
pour la prévention de la torture / APT), in Zusammenarbeit mit
Vertretern des Europarats und der Genfer Polizei [im Rahmen der
Europarats-Initiative „Polizei und Menschenrechte"]
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